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Schluss mit Gutsherrenart in Miltenberg?

Auf der Internetseite unserer Stadt gibt es eine neue Rubrik. Ausschreibungen! Dort kann man geradezu sensationelles finden. Siehe unten.

 

Der im Jahr 2017 irgendwie an den Mainpickniker vergebene Standplatz auf der Promenade, wird nun offiziell neu ausgeschrieben.

 

Am 13.10.2017 gab es einen ausführlichen Bericht im Bote und am 19.10.2017 eine Stellungnahme von Helmut Demel zum Thema. Meinem Leserbrief hat der Bote den treffenden Titel

 

Vergabe nach Gutsherrenart?

 

verpasst. Ausgabe vom 25.10.2017. Unglaublich, ein Leser auf Facebook hat sich noch an daran erinnert. Sein Kommentar "Oh..wird jetzt nicht mehr nach Gutherrenart vergeben und regiert????"

 

Immerhin gibt es jetzt die Möglichkeit für alle, sich zu bewerben. Ich hoffe, die Ausschreibung ist nicht nur eine Pflichtübung, sondern führt zu einem echten Wettbewerb um den Platz.

 

Im Vergleich zu professionellen Kommunen muss Miltenberg aber noch viel lernen. Unter Transparenz - Ein Lehrbeispiel für Miltenberg und seine Promenade habe ich beschrieben, wie Mainz bei der Verpachtung eines Biergartens agiert:

 

Entscheidend ist, dass die Stadt die maximal möglichen Einnahmen erzielt.

 

In Miltenberg möchte die Stadt schon bei der Bewerbung wissen, welche Lieferanten zum Zuge kommen. Das mag unter dem Gesichtspunkt Förderung der regionalen Geschäfte sinnvoll erscheinen. Ist aber aus meiner Sicht nicht gut durchdacht.

 

Die Forderung nach Lieferantennamen in Anbetracht der Tatsache, dass im Stadtrat eine Brauerei, ein Getränkehandel und eine Metzgerei vertreten sind, finde ich problematisch. Möglicherweise macht sich unser Stadtrat hier unnötig angreifbar. Zumal bei vielen Produkten im laufenden Betrieb der tatsächliche Lieferant gar nicht mehr erkennbar, und damit auch nicht überprüfbar ist.

 

Es hätte doch durchaus gereicht vorzuschreiben, Produkte müssen aus dem Raum Miltenberg bezogen werden. 

 

Ganz anders die Stadt Mainz: Das abschließende Auswahlverfahren konzentrierte sich letztlich auf einen Punkt: Welches Konzept bot uns den höchsten nachvollziebaren Pachtertrag.

 

Das ist nicht nur unternehmerisch gedacht, es bringt der Stadt auch den höchsten Ertrag, und jeder kann die Entscheidung nachvollziehen.

 

So langsam scheint in Miltenberg die Einsicht zu reifen, dass eine tote Promenade nicht das letzte Wort sein kann. Im Oktober 2017 stand noch in der Zeitung: Andererseits wolle die Stadt aber "keine Gastronomie auf der Promenade", erklärt der Bürgermeister - "von niemandem".

 

Jetzt wird neben dem Standort Mainpickniker eine zweite Fläche an der alten Volksschule angeboten. Endlich beginnt ein Umdenken. Unsere Promenade könnte das absolute Highlight in der Region werden, wenn man sie mit Gastronomie deutlich belebt.

 

Weiter gedacht könnte man eine lebendige Promenade entlang eines neuen Wohngebietes bis zur Mud ausweiten. Miltenberg hätte dann eine absolute Ausnahmestellung in der Region. Von Aschaffenburg bis Würzburg gibt es nichts vergleichbares am Main. Machen wir mehr aus Miltenberg!

Stadt Miltenberg / Rathaus / Ausschreibungen

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Kommentare: 3
  • #1

    B (Dienstag, 05 März 2019 10:18)

    Ein Konzept eindimensional nur anhand der Höhe der zu erzielenden Pacht zu bewerten ist m.E.n. kurzsichtig. Welchen Wert ein gastronomischer Betrieb schafft muss aus mehr Dimensionen - ganzheitlich - betrachtet werden.

    Sowohl die Dimensionen, als auch die vorgenommene Bewertung sollte allerdings transparent gemacht werden.

  • #2

    B (Dienstag, 05 März 2019 10:18)

    Und: Danke für Ihre Arbeit. Sie schaffen wirklich Wert für unsere Region.

  • #3

    Wolfgang Spachmann (Dienstag, 05 März 2019 10:47)

    Hallo B. Danke für die Rückmeldungen. Ich halte die Vorgehensweise in Mainz für zielführend. Wer eine hohe Pacht erwirtschaften kann, dürfte auch ein gutes Konzept haben. Viele Besucher anlocken und Frequenz in die Stadt bringen. Mit einem schrottigen Auftritt oder schlechten Produkten wird das nicht funktionieren. Der Ansatz, nicht das Konzept in seiner Ausführung, sondern in Bezug auf seine voraussichtliche Wirtschaftlichkeit zu prüfen und zu beurteilen, ist daher sehr sinnvoll.

    Nebenbei führt der Ausschluss von subjektiven Auswahlpunkten dazu, dass jedwede Mauschelei unterbunden wird.