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Ein erster Blick in den Haushalt der Stadt Miltenberg

Wolfgang Spachmann Kandidat der Bürgerliste Miltenberg
Wolfgang Spachmann Kandidat der Bürgerliste Miltenberg

Der Haushalt der Stadt Miltenberg weckt Erinnerungen. Ein Zahlenfriedhof in Reinkultur. Nachdem ich viele Jahre selbst für die Erstellung solcher Zahlenfriedhöfe verantwortlich war, fühle ich mich beim Blättern um 30 Jahre zurückversetzt.

 

Allerdings hatte ich nicht so viel Glück wie der Miltenberger Kämmerer. Keiner meiner Chefs hätte dieses Werk ohne aussagefähige Aufbereitung mit Grafiken und Tabellen entgegengenommen. Die Stadträte von Miltenberg sind da genügsamer? 537 Seiten nackte Tatsachen, da muss man einfach durch?

 

Erstaunlicherweise gibt es im Netz, auch im direkten Umfeld von Miltenberg, sehr viele informativere Beispiele. Aber über den Tellerrand schauen ist in Miltenberg (noch) verpönt?

 

Dass die Stadt das Werk nicht veröffentlicht, ist ein weiterer Punkt, der viele Fragen aufwirft. Hunderte oder gar tausende Kommunen in Deutschland stellen ihre Haushalte routinemäßig ihren Bürgern im Netz zur Verfügung. Allerdings deutlich besser aufbereitet.

 

Man kann erst mal festhalten, in vielen Kommunen sind die Bürger besser über den Haushalt ihrer Stadt informiert, als die Stadträte in Miltenberg.

Ein paar Zahlen um Appetit auf mehr zu machen

Der Verwaltungshaushalt der Stadt Miltenberg für das Jahr 2019 hat ein Volumen von 25,5 Millionen EUR

Es gibt viele Betriebe, die von solchen Umsätzen weit entfernt sind.

 

Der größte Posten bei den Ausgaben sind die Personalkosten. Im Jahr 2017 ist man noch mit 6,4 Millionen ausgekommen, für das Jahr 2019 werden 7,1 Millionen geplant. Mehrkosten 700.000 EUR = 11%.

 

Dahinter stehen lt. Stellenplan 114 Mitarbeiter. Durchschnittlich kostet also jeder Mitarbeiter 63.280 EUR.

 

Was ärgert mich als Leser? Die Anzahl der Beschäftigten musste ich aus drei Berichten aufaddieren. Nirgends steht, wie viele Mitarbeiter hat die Stadt? Unsere Stadträte scheint es nicht zu stören, vielleicht lesen Sie das Werk gar nicht?

Eine kleine Fingerübung zur Einstimmung

Was tut ein erfahrener Revisor, wenn er erstmals mit einem umfangreichen Zahlenwerk konfrontiert wird? Der Laie stürzt sich auf die großen Zahlen. Der Profi sieht sich ein paar kleine Positionen an, um ein Gefühl zu bekommen, wie wird hier gewirtschaftet. Beim Durchblättern bin ich auf die Position Campingplatz Miltenberg-Nord gestoßen.

 

Lassen wir Planzahlen mal außen vor und nehmen wir uns die echten Zahlen aus dem Jahr 2017 vor. Was steht da in dem gigantischen Werk auf Seite 224 von 537?

 

Mieten aus Gebäuden u. Grundstückspachten 13.269,53 EUR im Jahr, das sind 1.105,79 EUR im Monat.

Wer etwas mit Immobilien zu tun hat, als Vermieter oder Mieter, wird hier wie ich auch nachdenklich. Schließlich handelt es sich um ein nicht ganz kleines Grundstück direkt am Main.

 

Wenn man ein Grundstück vermietet, hat man in der Regel keine Kosten mehr. Nicht so in diesem Fall. Unter Kosten werden neben kleineren Beträgen 2.691 EUR Baufhofstunden ausgewiesen. Die Stadt macht also auch noch Reparaturen oder pflegt das Gelände für den Pächter?

 

Letztendlich bleibt ein Nettoertrag von 9.601 EUR im Jahr, das sind 800 EUR pro Monat. Für ein Filetgrundstück am Main? Fußläufig zur Innenstadt? Der erste Testfall macht einen erfahrenen Revisor erst mal stutzig. Da besteht Informationsbedarf.

Wozu Gesetzesverstöße doch gut sein können

Normalerweise hätte die Stadt Miltenberg den Haushalt für 2020 bis zum 30.11.2019 verabschieden müssen. Das juckt bisher natürlich keinen außer mir. Nun hat die Mißachtung der Gemeindeordnung ungeahnte Auswirkungen. Ich denke, der Haushalt für das Jahr 2020 wird erst dem neu gewählten Stadtrat vorgelegt, und in dem sitze ich (hoffentlich) drin.

 

473 Seiten á 40 Zeilen, das sind etwa 20.000 Zahlen im Haushalt, die ich mit wachsender Begeisterung studieren, und mit den neuen Kollegen und Kolleginnen diskutieren möchte. Könnte man die Wahl nicht vorziehen? Ich kann es kaum abwarten, die Zahlen für die Bürger der Stadt transparent zu machen.